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ZWISCHEN KOOL G RAP UND GRISELDA: AZs „DOE OR DIE“ UND DIE KUNST DER ZURÜCKHALTUNG
wenn content wirklich king wäre, müsste das debütalbum “doe or die” des new yorker rappers AZ heute noch zu den prägendsten rap-releases der hiphop-geschichte zählen. aber das popgeschäft ist kein versprechen, es bleibt eine verheißung, und “doe or die” bis heute ein unterschätzer brückenschlag zwischen kool g rap und griselda records. als der 1994 noch unbekannte ANTHONY CRUZ, wie AZ bürgerlich heißt, dem ikonischen NAS-debüt “illmatic” einen beeindruckenden featurepart auf “life’s a b*tch” vermachte, waren AZ und seine rap-ambitionen schon um eine chance ärmer.

so hatte der sohn einer afro-amerikanerin und eines dominikaners ein paar jahre zuvor mit dem damals ebenso unbekanntem beatmaker PETE ROCK gemeinsame sache gemacht, allerdings kein einziges musikalisches zeugnis dieser schaffensphase in der nachwelt zu hinterlassen. der soul brother stieg zu den gefragtesten und stilprägendesten hiphop-produzenten der neuniziger auf, blieb AZ, dem eine gewisse zurückhaltung nachgesagt wird, erstmal in der heimischen hood east new yorks. bis zu jenem gastauftritt bei NAS, der zeitlebens fluch und segen war.
es ist also reine konsequenz, dass AZs debüt “doe or die” heißt. 1995 wird einfach gemacht. mit mittlerweile 30 lenzen in der vinylrille, liest sich allein die liste der beteiligten produzenten (PETE ROCK, DR PERIOD, BUCKWILD oder SKI) wie die weihnachtswunschliste eines neunziger-rap-kindes, wenngleich heute eine gewisse reißbrettlogik kritisiert werden könnte. der status eines classic ist im hiphop eben ein viel-diskutierter titel. “doe or die” hat ihn.
DER LEISE KÖNIG: UNDERSTATEMENT IN QUIET-LUXURY
neben “only built for cuban linx…” gilt es als gründungsmythos des “mafiosi-rap”, was sich in damals üblicher gegensätzlichkeit zwischen geschmeidiger philly-soul-sexyness oder jazziger straßenschwüle äußert. AZs performance begegnet dieser mit der quiet-luxury-eleganz eines street-staatsmannes sowie brillanter präzision im songwriting. „my caliber got me thinking on a higher algebra/ see me, i’m just as foul as ya, but you ain’t got no style in ya“, schichtet sosa in lockerer zunge auf “mo money, mo murder” verweise aus straßenalltag, battle-rap-attitüde und spiritualität in bester kool-g-rap-tradition. an anderer stelle zelebriert er eher großgrundbesitzer-geschichten mit codierter bildsprache („at times i window-watch out the marriott/ zonin‘ on ownin‘ co-ops, foreign drop-top coupes and yachts“), die sich heute in etwas radikalisierter fragmentierung auch bei WESTSIDE GUNN und der griselda-gang findet.
oftmals wurde AZ auf “doe or die” in der retrospektive eine klare positionierung als albumkünstler attestiert, der haltung vor hits stellte, linearität und vor lärm. heute würde man das vibe nennen. wenn content also wirklich king ist, dann rult AZ seit 30 jahren auf geringer lautstärke.
FIONN BIRR