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RECAP: REEPERBAHN FESTIVAL

zuerst via mojo wire lesen?
put me on the list

CARA ROSE BEIM REEPERBAHN FESTIVAL IM MOJO CLUB | 17 SEPT 2025

zum ersten mal spielten alle künstler*innen, die sich beim reeperbahn festival um den anchor award beworben hatten, ausschließlich im mojo club – was die bedingungen für die sechs teilnehmenden gleich machte und auch der jury das club-hopping ersparte. dieser zum zehnten mal vergebene nachwuchspreis des festivals präsentiert jedes jahr herausragende talente wie jetzt die schottische singer-songwriterin CARA ROSE. zwar hat sie am ende den award nicht gewonnen – er ging an die amerikanische-japanische indie-musikerin MEI SEMONES -, aber gezeigt, welch enormes potenzial in ihr steckt.

CARA ROSE. foto: michelle keßler

CARA ROSE verfügt über eine klare und kräftige stimme, mit der sie es schafft, gefühlszustände tief auszuloten. sie hat seele in der stimme, obwohl ihre songs vom klassischen soul ein ganzes stück entfernt sind. ROSE ist in glasgow groß geworden. aufmerksamkeit bekam die inzwischen 26 jahre alte künstlerin, als sie den in einer kirche in edinburgh aufgenommenen song „learn to speak“ veröffentlichte, eine zu herzen gehende ballade, die an AMY WINEHOUSE erinnert. inzwischen hat CARA ROSE eine reihe weiterer songs geschrieben und auf singles und eps herausgebracht. beim konzert im mojo club wurde sie von einem musiker auf der gitarre und am klavier begleitet. es entstand ein intimer, aber auch spannungsreicher abend, denn ROSES arrangements sind versponnen und feingliedrig. ein höhepunkt des auftritts war die letzte nummer: ROSE sang chaka khans „ain’t nobody“ als ergreifende ballade in einer interpretation, wie man sie so noch nicht gehört hat. man darf gespannt auf das erste album der jungen schottin sein.

HEINRICH OEHMSEN

GREG FOAT TRIO FEAT. SOKRATIS VOTSKOS BEIM REEPERBAHN FESTIVAL IM MOJO JAZZ CAFÉ | 18 SEPT 2025

angekündigt war der londoner pianist und komponist GREG FOAT mit seinem trio, doch für das hamburger konzert hat er seine band um den saxofonisten SOKRATIS VOTSKOS ergänzt. das gibt seinem quartett zusätzliche klangmöglichkeiten. VOTSKOS steht in der tradition von größen wie JOHN COLTRANE und WAYNE SHORTER und bewegt sich an der nahtstelle zwischen hardbop und free.

SOKRATIS VOTSKOS. foto: michelle keßler

GREG FOAT hat in den vergangenen zehn jahren eine reihe von alben veröffentlicht, die es schwer machen, ihn in eine jazz-schublade zu stecken. aktuell hat er das album „opening time“ herausgebracht, auf dem er mit dem bassisten JIHAD DARWISH, der auch im mojo jazz café dabei war, und dem schlagzeuger MOSES BOYD spielt. für ihn ist in hamburg BEN GROSE dabei, ein drummer aus der lebendigen londoner jazz-szene. FOAT ist ein meister darin, wie ein architekt klanglandschaften zu entwerfen. dafür kreiert er flächige sounds mit DARWISH und GROSE als rhythmischer basis, auf der VOTSKOS skulpturenhafte tonfolgen blasen kann.

zuweilen erinnern diese stücke an eine abgespeckte form von MILES DAVIS‘ electric jazz, wie er ihn ende der 60er-jahre entwickelt hat. ohne trompete natürlich. in der vergangenheit hat FOAT schon alben mit einem psychedelischen sound veröffentlicht, seine zuhörer*innen im knallvollen mojo jazz café sind von diesem meditativen jazz begeistert. schön wäre es, den britischen künstler im größeren mojo club zu erleben – ohne die unruhe eines festivalauftritts.

HEINRICH OEHMSEN