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WHO IS… ALFA MIST?

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„IT’S ALL ABOUT THE BALANCE“

für ALFA MIST ist balance das herz seiner künstlerischen haltung, immer. in seinen werken sucht er stets nach einem gleichgewicht zwischen struktur und offenheit, intuition und präzision, vergangenheit und zukunft – und sprengt dabei mühelos genregrenzen: neben jazz fließen hip-hop, soul und experimentelle sounds selbstverständlich in seine musik ein. dieses prinzip spiegelt sich auch in seinem label sekito wider, über das er gezielt junge talente aus seinem umfeld fördert – so wie er sich früher jemanden gewünscht hätte, der ihn inspiriert und unterstützt.

seine musikalische sozialisation begann alles andere als im jazzclub: aufgewachsen in der grime-szene east londons, verstand ALFA musik zunächst als raum für experimente, der sich nicht in klare kategorien einordnen lässt. erst nach jahren des beats-bastelns entdeckte er die klassische notenlehre und schließlich den jazz.

heute bildet jazz auch den kern seines künstlerischen schaffens, doch er öffnet ihn konsequent für hip-hop-ästhetiken, soul und elektronische texturen. dass er zwischendurch auch mal ein reines piano-album veröffentlicht, ist ausdruck dieser offenheit und seines bedürfnisses, die balance zwischen erwartung und neugier zu halten.

REINKARNATION UND INTUITIVE GROOVES

sein jüngstes album „roulette“ spiegelt diese haltung deutlich wider. ALFA MIST entwirft darin ein dystopisches, fast cineastisches szenario, in dem reinkarnation nicht als esoterische idee gedacht wird, sondern als stetige neuerfindung oder weiterentwicklung der eigenen identität. gleichzeitig bleibt die musik emotional zugänglich: warme piano-klänge treffen auf intuitive grooves und dichte arrangements. auch hier entsteht balance aus dem wechselspiel von improvisierten passagen und klaren strukturen. für alfa ist musik kein fertiges endprodukt, sondern ein prozess, der sich erst im moment entfaltet. ach, und apropos cineastisches szenario: vor ein paar jahren erzählte ALFA MIST, dass er sich irgendwann vorstellen könne, filmmusik zu komponieren. auf „roulette“ wird dieser traum hörbar: stücke wie „give anything“ bauen mit ihrer düsteren, fast träumerischen stimmung spannung auf, ohne eine konkrete geschichte zu erzählen. gerade weil sich seine musik nicht festlegt, bleibt es so spannend, ALFA’s entwicklung zu verfolgen. 

inhaltlich kreist roulette also um fragen nach identität, selbstreflexion und verantwortung. genau das sind auch die themen, die ALFA MIST privat beschäftigen. viele seiner überlegungen entstehen dabei im austausch mit seinen geschwistern oder freund*innen: was von früheren versionen seines selbst ist eigentlich noch geblieben? wie prägt die vergangenheit das leben in der gegenwart? all diese gedanken fließen direkt in seine musik ein.

so holte er sich schon in früheren alben afrikanische künstler wie BONGEZIWE MABANDLA ins boot, um die wurzeln seiner mutter zu würdigen. auf dem song „genda“ vom album „variables“ singt ALFA MIST gemeinsam mit seiner nichte eine einfache anweisung in luganda aus seiner kindheit, die im spielerischen sinne so viel bedeutet wie „geh weg” – ein sehr persönlicher moment, der zeigt, wie selbstverständlich er vergangenheit und gegenwart miteinander vereint. dieses gespür für verschiedene perspektiven zeigt sich in jedem noch so kleinen detail seiner arbeit: auf „roulette“ fügen sich feature-gäst*innen wie HOMEBOY SANDMAN, TAWIAH oder KAYA THOMAS-DYKE organisch in seinen sound ein und setzen gezielte akzente, ohne sich aufzudrängen. auch frühere kollaborationen, etwa mit TOM MISCH oder ÓLAFUR ARNALDS, machen deutlich, dass es ihm weniger um kontraste als um austausch geht – und vor allem darum, seine musikalische welt kontinuierlich zu erweitern.

am ende zeigt sich ALFA MIST als künstler, der herkunft, identität und persönliche erfahrungen bewusst in seine musik einfließen lässt – immer in bewegung und ständig neu interpretiert. seine werke entstehen im spannungsfeld von kontrolle und freiheit, von tradition und experiment – getreu dem motto: „it’s all about the balance“. genau in diesem wechselspiel bekommt seine musik ihren unverwechselbaren charakter, der auch sein eigenes gemüt widerspiegelt. 

CELESTE DITTBERNER

am 02 FEB 2026 spielt ALFA MIST im mojo club.
hier geht’s zu den tickets.


CELESTE DITTBERNER ist freie autorin und schreibt für verschiedene unabhängige magazine im bereich musik. vor allem ist sie in der berliner kulturbranche verwurzelt und interessiert sich musikalisch für ein breites Spektrum von punk über experimental und ambient bis hin zu klassischer musik und oper.