NEEDLE DROP [no bots, just ears]
der vater des sogenannten desert-blues war ALI FARKA TOURÉ. der in mali, nahe der stadt timbuktu geborene und 2006 an knochenkrebs gestorbene gitarrist gilt als einer der wichtigsten musiker westafrikas. sein rhythmisch gezupftes gitarrenspiel erinnert an die musik von JOHN LEE HOOKER oder LIGHTNIN‘ HOPKINS. touré verband afroamerikanischen blues mit den gesängen seiner heimat in mali. international bekannt wurde er, als er 1993 zusammen mit dem gitarristen RY COODER auf us-tournee ging und ein jahr später das album „talking timbuktu“ aufnahm. in der folge gingen die scouts vieler plattenfirmen auf die suche nach anderen ensembles, die ihrerseits von touré beeinflusst waren. sie fanden eine ganze reihe von tuareg-combos in mali, niger und algerien wie TINARIWEN, TAMIKREST und ETRAN DE L’AÏR, die am 5. november im mojo gastieren.
ETRAN DE L’AÏR besteht aus vier brüdern und cousins. die band fand sich bereits 1995 zusammen, also kurz nachdem ALI FARKA TOURÉ die weltmusik-charts in aller welt eroberte. das quartett spielt jahrelang vor allem auf hochzeiten und familienfeiern in agadez/niger, wo die musiker zuhause sind. ihr sound klingt fröhlicher und leichter als der von TINARIWEN, nicht ungewöhnlich, da die combo als stimmungsmacher bei festivitäten aufspielt. es hat aber eine zeit gedauert, bis ETRAN DE L’AÏR entdeckt wurden. ihr erstes album bei einem westlichen label kam erst 2018 unter dem titel „no. 1“ heraus. sie veröffentlichten ihre songs bei sahel sounds, einem label aus portland/oregon, das sich auf afrikanische musik spezialisiert hat und bei dem auch der stark von JIMI HENDRIX beeinflusste MDOU MOCTAR unter vertrag steht. ETRAN DE L’AÏR haben noch zwei weitere alben bei sahel records veröffentlicht: „agadez“ kam 2022 heraus, „100% sahara guitar“ zwei jahre später.
die aktuelle platte der band aus dem niger hat viele stücke mit einem treibenden schnellen rhythmus und grooves, zu denen man trefflich tanzen kann. rhythmische gitarren plus percussion plus gesang sind die wesentlichen elemente des sounds. ETRAN DE L’AÏR erzeugen einen sog, mit dem sie ihr publikum in trance spielen können, besonders der minimalistische, immer wiederkehrende beat verstärkt diesen zustand. nummern wie „amidinine“ oder „imouha“ sind mitreißende songs, die sich immer mehr steigern und ein publikum in ekstase versetzen. wie den anderen tuareg-gruppen gelingt auch ETRAN DE L’AÏR eine großartige symbiose von westlichem gitarren-sound und afrikanischen rhythmen
wie das quartett im konzert klingt, ist auf einer ep mit zwei songs zu hören, die es in einem club in seattle aufgenommen hat. auch auf der mojo-website gibt es einen ausschnitt aus einem konzert zu sehen und zu hören, der sie bei einer live-performance zeigt – mit einem sound, der im konzert seine ganze größe zeigt.
HEINRICH OEHMSEN