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WHO IS… DAKHABRAKHA?

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für mojo wire porträtiert HEINRICH OEHMSEN die ukrainische band DAKHABRAKHA, live zu erleben am 20. april im mojo club.

in ihrer traditionellen kleidern und den turmhohen pelzmützen sehen sie aus wie eine traditionelle musikgruppe, die bei lokalen festen zum tanz aufspielt. die lieder des ukrainischen quartetts DAKHABRAKHA speisen sich zwar aus der folklore ihres heimatlandes, doch dahinter steckt mehr als die verbreitung regionaler volksmusik. seit 2007 gastiert die truppe in deutschland, inzwischen hat DAKHABRAKHA auf allen wichtigen pop- und rockfestivals der welt wie glastonbury, sziget, bonnaroo und roskilde gespielt.

mit ihrem meditativen flow begeistert die truppe das publikum in der ganzen welt. gleichzeitig sind die vier botschafter eines geschundenen landes, das tagtäglich drohnen- und raketenangriffe aus russland ertragen und sich seit vier jahren gegen den verbrecherischen angriffskrieg von wladimir putin wehren muss. ihre musik benutzen sie als politisches ausdrucksmittel und verweisen immer wieder auf die notwendigkeit internationaler unterstützung. 


2004 gründete VLADYSLAV TROITSKYI, der direktor des kiewer avantgarde-theater DAKN die gruppe um den sänger MARKO HALANEVYCH und die musikerinnen NINA GARENETSKA, OLENA TSYBULSKA und IRYNA KOVALENKO. in vergessenheit geratene volkslieder wurden mit modernen sounds in die gegenwart überführt; cello, dudelsack, posaune, akkordeon und synthesizer und diverse perkussionsinstrumente sind elementarer teil dieses „ethno-chaos“, wie die band ihren sound selbst beschreibt. die stücke sind experimentell und minimalistisch, immer etwas sakral und unbedingt zeitgemäß.

schon als DAKHABRAKHA sich gründete, ging es den künstler*innen darum, die unter dem sowjetregime als bäuerlich und primitiv verpönten lieder wieder in das kulturleben zurückzuholen und damit ein heimatgefühl zu stiften. angesichts des krieges und bedrohung durch russland sind diese songs gesellschaftlich von großer relevanz, auch wenn die texte nicht nur politische themen zum inhalt haben.

acht alben hat DAKHABRAKHA seit 2006 veröffentlicht, das letzte mit dem titel „ptakh“ („der vogel“) ist im dezember vergangenen jahres erschienen und enthält 14 songs mit einer spielzeit von 90 minuten. meistens singen die musiker*innen auf alt-ukrainisch, es finden sich aber auch lieder in russischer und bulgarischer sprache im repertoire des ensembles. auf „ptakh“ gibt es mit „you lie“ sogar eine nummer auf englisch. von russland, wo die band in den nuller-jahren ebenfalls gefeiert wurde, hat sie sich aus verständlichen gründen komplett abgewendet, ihre performances zeigt DAKHABRAKHA in den teilen der welt, die nicht unter russischem einfluss stehen. „wir sind zwar ein junger staat, aber ein uraltes volk“, sagt sänger MARKO HALANEVYCH. „wir sind keine rückständigen hinterwäldler, sondern progressive künstler, die sich nach freiheit sehnen.“

HEINRICH OEHMSEN